Kimchi selber machen im Glas: Warum das Glas die beste Wahl für den Einstieg ist

Wer Kimchi im Glas selber machen will, braucht keine Spezialausrüstung aus Korea. Ein sauberes Einmachglas mit großer Öffnung reicht völlig aus, und es hat gegenüber Tontöpfen und Kunststoffboxen einen klaren Vorteil: Man sieht, was im Inneren passiert. Gasblasen, Lakestand, Farbe und Schimmelansatz lassen sich von außen beurteilen, ohne dass man den Deckel öffnen muss.

Entscheidend ist die Wahl des Glases. Zu empfehlen sind Gläser mit weiter Öffnung und geraden oder nur leicht gewölbten Wänden, denn aus einem Glas mit engem Hals bekommt man das Gemüse kaum heraus und noch schlechter hinein. Ein Volumen von einem bis zwei Litern ist für den Anfang praktisch, weil sich ein Weißkohl-Ansatz damit gut bewältigen lässt. Dazu kommt ein Fermentiergewicht aus Glas, das das Gemüse unter der Lake hält. Kimchi verträgt Luftkontakt schlecht, denn an der Oberfläche siedeln sich schnell Kahmhefen oder Schimmel an.

Wichtig für alle Gläser mit fest verschlossenem Deckel: Beim Fermentieren entsteht Kohlendioxid. Ein vollständig dicht verschraubtes Glas steht deshalb unter Druck. Bewährt haben sich Gärdeckel mit Ventil, die Gas entweichen lassen, ohne dass Sauerstoff hineingelangt. Alternativ lässt man den Schraubdeckel bewusst nur locker aufliegen oder öffnet das Glas täglich kurz zum Entlüften.

Zutaten und Zubereitung: So gelingt der Ansatz im Glas

Die Basis ist Chinakohl, in Korea Napa-Kohl genannt. Der Kohl wird in Stücke geschnitten oder in Viertel geteilt und zunächst gesalzen. Dafür verwendet man unjodiertes Salz ohne Rieselhilfe, am besten grobes Meer- oder Steinsalz. Als Faustregel funktionieren etwa zwei Prozent des Kohlgewichts als Salzmenge, mit der man den Kohl für ein bis zwei Stunden einlegt und zwischendurch wendet. Danach wird er mehrfach gründlich gewaschen, bis er nicht mehr übermäßig salzig schmeckt, und gut abgetropft.

Die Würzpaste besteht traditionell aus Knoblauch, Ingwer, Zwiebel, einer Prise Zucker oder geriebenem Apfel, Fischsauce und Gochugaru. Diese koreanischen Chiliflocken sind milder und fruchtiger als europäische Chilis und färben die Paste kräftig rot. Wer Gochugaru nicht bekommt, kann notfalls milden Paprika mit etwas Chili mischen, der Geschmack unterscheidet sich aber spürbar. Für eine vegane Variante ersetzt man die Fischsauce durch Sojasauce oder Miso.

Beim Vermengen trägt man Einweghandschuhe, denn die Chilipaste brennt an Händen und Augen. Der Kohl wird gleichmäßig mit der Paste eingerieben und dann Schicht für Schicht ins Glas gedrückt. Man stopft kräftig, damit keine Luftlöcher bleiben und der Kohl selbst Saft zieht. Mit einem Stampfer aus Holz geht das deutlich bequemer als mit dem Löffelstiel. Zwischen Kimchi-Oberfläche und Glasrand sollten mindestens zwei bis drei Zentimeter Platz bleiben, denn die Masse steigt beim Gären und schäumt.

Wie lange und bei welcher Temperatur fermentiert Kimchi?

Bei Zimmertemperatur setzt die Gärung meist innerhalb von ein bis zwei Tagen sichtbar ein. Kleine Bläschen steigen auf, die Lake wird trüber, ein säuerlicher Duft entwickelt sich. Als Richtwert gelten zwei bis fünf Tage bei Raumtemperatur, je nach Wärme und gewünschtem Säuregrad. Man probiert täglich mit einer sauberen Gabel. Sobald das Kimchi angenehm säuerlich schmeckt, kommt es in den Kühlschrank, wo die Gärung stark verlangsamt weiterläuft und der Geschmack weiter reift.

Typische Anfängerfehler beim Kimchi im Glas und ihre Behebung

Der häufigste Fehler ist, dass das Gemüse nicht vollständig von Lake bedeckt ist. Ragen Kohlstücke oben heraus, werden sie dunkel und trocknen an. Erkennbar ist das an bräunlichen, schleimig-trockenen Rändern. Abhilfe schafft das Beschweren mit einem Glasgewicht und ein kräftigeres Andrücken. Reicht der eigene Saft nicht aus, hilft eine leichte Salzlake aus Wasser und etwas Salz, die man nachgießt. Verfärbte Randstücke entfernt man großzügig.

Zweiter Klassiker: Kahmhefe oder Schimmel verwechseln. Kahmhefe bildet einen flachen, weißlichen, matten Film auf der Oberfläche. Sie ist harmlos, riecht aber unangenehm hefig und beeinträchtigt den Geschmack; man kann sie abschöpfen und darunter weiter prüfen. Schimmel dagegen wächst als flauschiger, oft blau, grün, schwarz oder weiß wirkender Belag mit erhabener Struktur. Ist Schimmel zu sehen, gehört das gesamte Glas in den Müll, denn Schimmelfäden durchziehen unsichtbar auch tiefere Schichten. Wer unsicher ist, entscheidet sich lieber gegen den Verzehr.

Dritter Fehler: zu wenig oder zu viel Salz. Zu wenig Salz begünstigt unerwünschte Keime und führt zu weichem, glitschigem Kohl, zu viel Salz bremst die Milchsäuregärung und macht das Ergebnis ungenießbar salzig. Wer den Salzgehalt genau steuern will, wiegt Kohl und Salz ab, anstatt nach Gefühl zu arbeiten, und hält sich dafür an eine digitale Küchenwaage.

Vierter Fehler, der sich vermeiden lässt: überfüllte Gläser. Steigt die Lake beim Gären bis an den Deckel, drückt sie sich über Dichtung oder Ventil heraus und das Glas verschmutzt. Man stellt es deshalb in der ersten Phase auf einen Teller oder eine Schale. Das ist auch der Grund, warum man nie bis zum Rand befüllt.

Lagerung, Reifung und Hygiene

Nach der Anfermentierung im Raum wandert das Glas in den Kühlschrank bei etwa 4 bis 6 Grad. Dort reift das Kimchi in den folgenden Wochen weiter; der Geschmack wird säuerlicher und runder. Manche mögen es jung und knackig, andere bevorzugen es nach mehreren Wochen intensiv sauer, wofür es sich dann auch zum Kochen eignet, etwa für Kimchi-Eintopf oder gebratenen Reis.

Beim Entnehmen gilt: immer mit sauberem Besteck arbeiten und das Gemüse danach wieder unter die Lake drücken. Wer das Glas häufig öffnet, sollte lieber mehrere kleinere Gläser füllen, damit nicht der ganze Vorrat durch ständigen Luftkontakt leidet. Vor dem ersten Befüllen werden Gläser, Deckel und Zubehör heiß ausgespült oder in der Spülmaschine gereinigt. Eine zusätzliche Sterilisation ist beim Fermentieren nicht zwingend nötig, aber gründliche Sauberkeit ist Pflicht. Für die Reinigung von Gummidichtungen eignet sich eine weiche Flaschenbürste besonders gut, weil sie auch in schwer zugängliche Ecken kommt.

Wer Kimchi regelmäßig herstellt, wird merken, dass sich Geruch und Chilipaste in Gummiringen festsetzen können. Ersetzt man die Dichtungen von Zeit zu Zeit, bleibt das Ergebnis geschmacklich sauber. Ein Glas mit Bügelverschluss sollte man außerdem nie mit zu viel Spannung verschließen, damit der Verschluss das Gas nicht dauerhaft staut.